petra fuer alle

Freitag, Oktober 31, 2008

O-Ton

Liebe Leser an den Empfangsgeräten!

Es folgt ein kurzes Update. Der Berufspendler ist schwer beschäftigt. Er schlägt sich wacker durch die Abteilungen des Hörfunkes und stürzt sich auf alles, was er nicht kann, damit er es irgendwann einmal kann. Bei so vielen Sprüngen in jedes Mal neues kaltes Wasser ist man hoffentlich irgendwann abgehärtet. (Apropos abgehärtet: Letztes Wochenende war ich kneippen, bei etwa 7 °C Wassertemperatur!) Vor ein paar Tagen beispielsweise hieß es: "Oh, ich muss jetzt zu einer Sitzung. Gleich kommt Stefan Gwildis. Kannst du das mal machen? Frag den mal diesunddas, ach, und denk dir mal noch zwei Fragen zum Thema XY aus. O-Töne aufzeichnen, ach so, die Technik in Studio ZX kannst du dir mal noch schnell von YZ erklären lassen. Und dann schnippel das mal zurecht, so zwei knackige Töne und mach noch ne Anmod dazu und eine für dazwischen und danach kommt Titel sowieso. Mach einfach mal." So viele Fragen wie in den letzten drei Wochen habe ich vermutlich im gesamten letzten Jahr nicht gestellt.

Nach getaner Arbeit in den Zug quetschen, vielleicht noch kurz die Elektropost checken und dann todmüde ins Bett fallen. Deswegen komme ich gerade nicht mehr zum Schreiben. Schon gar nicht in der Freizeit. Denn ich bin fast nur noch zum Schlafen in seinem Hauptwohnsitz, der Stadt der Wissenschaft. Nein, nicht Schlafen und Essen, nur Schlafen.

Außer heute. Denn heute ist ja Reformationstag. Das ist die Sache mit Luther und den Thesen und Protestanten und Katholiken und so weiter. Hat also nichts mit Kürbissen zu tun. Und glücklicherweise befindet ich mich zur Zeit in Thüringen, denn dort ist dieser Tag ein Feiertag. Das heißt, ich muss nicht arbeiten. Das ist gut, denn so kam ich heute morgen tatsächlich in Verlegenheit, in meiner eigenen Küche Nahrung zu mir zu nehmen. Und nun sitze ich hier endlich mal wieder in meinem Zimmer, bei Kerzen, Tee und PC. Und ich hoffe, Luther nimmt es mir nicht übel, wenn ich mich heute endlich all den Tätigkeiten widme, die ich schon seit 3 Wochen hätte in Angriff nehmen sollen...

Samstag, Oktober 18, 2008

Namensänderung

Heute morgen in der Post:

"Sehr geehrte Frau Dö.,

Uns wurde für Sie eine Namensänderung gemeldet. Wir übersenden Ihnen deshalb Ihren neuen ...ausweis."


Und auf dem neuen Ausweis:

Name, Vorname: Dö., Petra

Geburtsname: Doe.

*grübel*


Ergänzung 31.10:

Da es sich bei dem oben stehenden Beitrag um eine wirklich lebenswichtige Mitteilung handelt, die, wie ich erkennen musste, aufgrund meiner Abkürzungstechnik zu Unverständnis des Inhaltes führte, hier die hoffentlich aufschlussreichere Erklärung:

Natürlich ist mein Name weder Dö noch Doe. Es handelt sich lediglich um eine Abkürzung meines Nachnames, durch die ich mir erhoffe, dass mein Blog beim Eingeben meines vollständigen Namens bei Google irgendwann in der fernen Zukunft nicht mehr zu finden sein wird. (Ich arbeite noch an der vollständigen Umsetzung dieses Unterfangens.) Mit dem oben stehenden Beitrag wollte ich lediglich meinem Erstaunen darüber Ausdruck verleihen, dass man mir eine Namensänderung unterstellt, nur, weil das betreffende Amt plötzlich feststellt, dass mein Nachname nicht mit "oe", sondern mit "ö" geschrieben wird (was ja schon immer so ist).

Montag, Oktober 13, 2008

Schein

6.30 Uhr morgens. Frau D. nimmt ihren schwarzen Mantel vom Haken und die Handtasche, schleicht aus der Tür und begibt sich Richtung Bahnhof. Rucksack passt nicht mehr. Sie ist jetzt Berufspendler. Gut, Beruf ist vielleicht etwas hoch gegriffen für die paar Wochen, aber das wissen die anderen ja nicht. Und man kann ja schon mal üben. Nur für den Fall, dass einen überhaupt jemand beachtet. Noch schnell etwas zu essen vom Bäcker, der glücklicherweise schon offen hat. Und eine Tageszeitung. Man muss ja wissen, was so los ist in der Welt und regional. Außerdem, bestimmt macht man das so, als Berufspendler. Irgendwie muss man die Zeit in der Bahn ja auch sinnvoll nutzen. Und ein Buch war nicht mehr unterzubringen. (Wenn das mit der Karriere was werden soll, braucht sie dringend eine Zweit-Handtasche. Damenaktentasche wäre natürlich auch eine Idee.) Wie würde das auch aussehen, als hätte man Freizeit. Nein, das geht nicht. Erste Klasse würde dem Ganzen natürlich noch mehr Nachdruck verleihen. Zumindest vor dem inneren Auge. Aber Bahnfahren vor 9 Uhr ist auch so teuer genug. (Man gönnt sich ja sonst nichts. Und wenn es der Karriere förderlich ist...)

Der Zug fährt ein. Man sollte öfters um 7 Bahn fahren. So ruhig und leer. Vielleicht wird das anders, wenn die vorlesungsfreie Zeit zuende ist. Überall diese Studenten, ruft sie in Gedanken aus. Ein bisschen Hybris muss sein, wenn man nun schon Schein statt Sein spielt. (Prinzip: Aufwertung der eigenen Person durch die Abwertung einer oder mehrerer anderer. Wirkt zwar nicht immer langanhaltend. Aber dafür schnell. Entsprechendes Training vorausgesetzt.)

Draußen ist es dunkel. Alles im Nebel. Nur die Lichter von Ortschaften und Autos sind von Zugfenster aus zu erkenne. Als schwebten sie auf Wolken. Ganz langsam wird es hell. Schon dafür hätte sich das frühe Aufstehen gelohnt. Man hätte sich noch einen Kaffee kaufen sollen. (Seit "Neue Vahr Süd" spricht man im Passiv von sich.) In einem dieser Pappbecher. Aber dieses Mal siegt die Vernunft. Die Kombination aus Frau D. und Kaffee verursacht in aller Regel Händezittern und andere Antworten des vegetativen Nervensystems auf das Koffein. So wird das nichts mit dem souveränen Auftreten. Und gleich ist Morgenkonferenz. Man ist öffentlich-rechtlich. Radio.

Ja, das Auftreten. Unglücklicherweise ist Frau D. vor zwei Tagen von einer Erkältung heimgesucht worden, die noch immer ihr Unwesen treibt und sich besonders in Einschränkungen im Bereich der Stimme negativ bemerkbar macht. Nun gut, daran lässt sich nun auch nichts ändern. So wird zwar das ihr sonst eigene Bild einer starken Persönlichkeit, welche für gewöhnlich besonders stimmlich Ausdruck findet, etwas geschmälert. Aber man kann sich ja noch steigern. Eigentlich doch ganz günstig, das Ganze.

Frau D. telefoniert. Den halben Vormittag. (Allein das wäre einen Eintrag wert, aber das wissen die anderen ja nicht.) Recherche. Zwei Prominente gehen am Arbeitsplatz vorbei, rufen Hallo. Ein Blick nach oben und ein Gruß zurück und dann back to work. Man hat schließlich zu tun, da kann man sich nicht abhalten lassen, sind ja auch nur Menschen, normal, keine Aufregung. Es telefoniert sich tatsächlich anders, wenn man vor seinen eigenen Namen noch den eines Unternehmen setzen kann. Das Essen in der Kantine ist gar nicht so übel. (Und auch gar nicht so teuer. Aber das gehört hier nicht her. Wer sind wir denn.) Morgen dann nicht mehr bar zahlen. Und auch nicht mehr beim Pförtner klingeln müssen. Zwei Chipkarten mehr im Portemonaie. Passt. Morgen dann auf ein Neues...

P.S.:

Liebe WG,

ich entschuldige mich vielmals dafür, sowohl im Bad als auch in der Küche das Radio verstellt zu haben. Es ist beruflich, wisst ihr. Ich weiß, ihr konntet es nicht so zeigen, aber ihr habt es immer sehr geschätzt, dass ich euch durch tagtägliche Korrektur der Senderfrequenz von eurer Sucht nach Jump oder ähnlichem befreit habe, indem ich euch durch Figaro die Welt der wahren Musik nahebrachte! Und nun das! Habt Geduld! Bald wird statt Nicole wieder Mozart euer Gehör finden.